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Saures Wasser

Letzte Aktualisierung: 02.10.2026

Saures Wasser ist Wasser mit einem pH-Wert unter 7. In der Trinkwasserinstallation wird es vor allem dann zum Problem, wenn der pH-Wert unter 6,5 sinkt oder das Wasser viel freie, aggressive Kohlensäure enthält. Solches Wasser greift Leitungen, Armaturen und Speicher an und kann Metalle wie Kupfer, Zink oder Blei aus den Rohren lösen. Besonders häufig betroffen ist Brunnenwasser aus Hausbrunnen und Eigenwasserversorgungen.

Saures Wasser: Welcher pH-Wert gilt als sauer?

Der pH-Wert beschreibt auf einer Skala von 0 bis 14, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist. Ein Wert von 7 gilt als neutral, Werte darunter als sauer, Werte darüber als basisch. Da die Skala logarithmisch aufgebaut ist, ist Wasser mit pH 5 zehnmal saurer als Wasser mit pH 6.

Die Trinkwasserverordnung schreibt für Trinkwasser einen pH-Wert zwischen 6,5 und 9,5 vor. Entscheidend für die Praxis ist außerdem, ob das Wasser im sogenannten Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht ist. Enthält es mehr Kohlensäure, als zur Lösung des vorhandenen Kalks nötig ist, spricht man von kalkaggressivem Wasser. Dieses verhält sich auch bei einem pH-Wert knapp über 6,5 noch korrosiv.

Wie entsteht saures Wasser?

1. Freie Kohlensäure im Grundwasser

Regenwasser nimmt beim Versickern Kohlendioxid aus der Luft und dem Boden auf. Im Wasser bildet sich daraus Kohlensäure. Fließt das Wasser anschließend durch kalkarme Schichten wie Sand, Kies oder Granit, wird diese Säure nicht abgepuffert. Das Ergebnis ist weiches, saures Wasser mit hohem Anteil an freier Kohlensäure.

2. Huminsäuren aus Moor- und Waldböden

In moorigen oder humusreichen Gebieten gelangen organische Säuren ins Grundwasser. Diese Huminstoffe senken den pH-Wert und färben das Wasser oft gelblich bis bräunlich.

3. Saurer Regen und Bodenversauerung

Schwefel- und Stickstoffverbindungen aus der Luft haben in vielen Regionen zur Versauerung der Böden beigetragen. Auch wenn sich die Situation verbessert hat, wirkt dieser Effekt bei oberflächennahen Brunnen teils bis heute nach.

Folgen von saurem Wasser

1. Korrosion in Leitungen und Armaturen

Saures Wasser greift metallische Werkstoffe an. Bei verzinkten Stahlrohren löst sich die Zinkschicht, es kommt zu Rost und im schlimmsten Fall zu Lochfraß und Rohrbrüchen. Kupferleitungen werden ebenfalls angegriffen.

2. Metalle im Trinkwasser

Mit der Korrosion gehen Metalle ins Wasser über, insbesondere Kupfer, Zink, Nickel oder in Altbauten Blei. Erhöhte Kupferwerte sind vor allem für Säuglinge bedenklich. Das eigentliche Gesundheitsrisiko geht also weniger von der Säure selbst aus als von den gelösten Metallen.

3. Sichtbare Spuren im Haushalt

Typische Anzeichen sind blaugrüne Verfärbungen an Waschbecken, Duschen und Fliesenfugen, die auf gelöstes Kupfer hinweisen. Auch ein metallischer Geschmack oder rotbraunes Wasser nach längerer Standzeit können auf saures Wasser hindeuten.

4. Schäden an Heizung und Geräten

Warmwasserspeicher, Heizungsanlagen und Pumpen leiden unter der Korrosion. Das verkürzt ihre Lebensdauer und erhöht die Wartungskosten. In der Landwirtschaft kann saures Tränkwasser zudem Tränkesysteme und Fütterungstechnik schädigen.

Saures Wasser erkennen und messen

Eine erste Einschätzung liefern pH-Teststreifen oder ein digitales pH-Messgerät. Für eine verlässliche Bewertung ist eine Laboranalyse sinnvoll. Sie erfasst neben dem pH-Wert auch die freie Kohlensäure, die Säurekapazität, die Wasserhärte und mögliche Metallgehalte. Erst mit diesen Werten lässt sich die passende Aufbereitung auswählen. Wer Trinkwasser aus einem eigenen Brunnen nutzt, sollte die Wasserqualität ohnehin regelmäßig prüfen lassen.

Saures Wasser neutralisieren: Diese Verfahren gibt es

1. Entsäuerungsanlagen mit Filtermaterial

Das am häufigsten eingesetzte Verfahren ist die Filtration über ein basisches Filtermaterial, zum Beispiel halbgebrannten Dolomit oder Calciumcarbonat. Die freie Kohlensäure reagiert mit dem Material, der pH-Wert steigt und das Wasser erreicht das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht. Das Filtermaterial wird dabei langsam verbraucht und muss regelmäßig nachgefüllt werden.

2. Physikalische Entsäuerung durch Belüftung

Bei hohem Anteil an freier Kohlensäure kann diese durch Belüften oder Verdüsen aus dem Wasser ausgetrieben werden. Dabei wird dem Wasser nichts zugesetzt. Das Verfahren kommt vor allem bei größeren Wassermengen und in Kombination mit der Enteisenung zum Einsatz.

3. Dosierung von Mineralstofflösungen

Alternativ kann eine Dosieranlage eine zugelassene Wirkstofflösung mengenproportional zugeben, die den pH-Wert anhebt und gleichzeitig eine Schutzschicht in den Rohren bildet. Dieses Verfahren eignet sich besonders bei sehr weichem Wasser, bei dem eine Filtration allein nicht ausreicht.

4. Kombinierte Lösungen

Saures Brunnenwasser enthält häufig zusätzlich Eisen oder Mangan. In diesen Fällen werden Entsäuerung und Enteisenung sinnvoll kombiniert, damit die einzelnen Stufen optimal zusammenarbeiten.

Wichtig: Hausmittel wie Natron sind keine dauerhafte Lösung für die Hausinstallation. Eingriffe in die Trinkwasserinstallation sollten immer durch einen Fachbetrieb geplant und ausgeführt werden.

Vorteile der Entsäuerung

  • Schutz der Installation: Leitungen, Armaturen und Speicher werden vor Korrosion bewahrt.
  • Bessere Wasserqualität: Es gehen deutlich weniger Metalle ins Trinkwasser über.
  • Einhaltung der Grenzwerte: Der pH-Wert wird in den von der Trinkwasserverordnung geforderten Bereich gebracht.
  • Geringere Folgekosten: Weniger Reparaturen an Rohrnetz, Heizung und Haushaltsgeräten.