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Arsen

Letzte Aktualisierung: 15.06.2026

Arsen ist ein Halbmetall, das in der Natur weit verbreitet vorkommt. Es gehört zur fünften Hauptgruppe des Periodensystems und steht zwischen den Metallen und den Nichtmetallen. In der Erdkruste ist Arsen das 20. häufigste Element und findet sich in zahlreichen Mineralien, Gesteinen und Böden.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Formen von Arsen: anorganisches Arsen und organisches Arsen. Anorganisches Arsen, wie es typischerweise im Grundwasser vorkommt, gilt als deutlich toxischer als die organischen Verbindungen, die etwa in Meeresfrüchten in unbedenklichen Mengen enthalten sind. Im Zusammenhang mit der Trinkwasserqualität ist stets anorganisches Arsen gemeint, wenn von Arsen im Wasser die Rede ist.

Vorkommen von Arsen im Wasser

Arsen gelangt auf verschiedenen natürlichen Wegen ins Grundwasser. Die wichtigsten natürlichen Quellen sind geochemische Prozesse: Arsen-haltige Mineralien wie Arsenopyrit (FeAsS), Realgar oder Auripigment verwittern und setzen dabei Arsen frei, das sich im Grundwasser löst. Besonders betroffen sind Regionen mit vulkanischem Gestein, Granitformationen und bestimmten Sedimentgesteinen.

In Deutschland treten erhöhte Arsenwerte im Grundwasser vor allem in folgenden Regionen auf:

  • Norddeutsche Tiefebene (insbesondere in Bayern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)
  • Regionen mit historischem Erzbergbau (Erzgebirge, Harz, Schwarzwald)
  • Vulkangebiete (Eifel, Vogelsberg)
  • Gebiete mit arsenreichen Sedimentschichten (z. B. Teile Bayerns)

Neben natürlichen Quellen trägt auch der Mensch zur Arsenbelastung von Gewässern bei. Historisch wurden Arsenverbindungen intensiv als Pestizide, Herbizide und Fungizide in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch der Bergbau , insbesondere die Verhüttung arsenhaltiger Erze, sowie industrielle Prozesse, Glasproduktion und die Verbrennung fossiler Brennstoffe können zur lokalen Arsenbelastung von Böden und Gewässern beitragen.

Arsen im Wasser: Auswirkungen auf die Gesundheit

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Arsen im Wasser sind gut dokumentiert und abhängig von der Konzentration, der Expositionsdauer und dem allgemeinen Gesundheitszustand der betroffenen Person. Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer Arsenbelastung.

Akute Vergiftung

Eine akute Arsenvergiftung durch Trinkwasser ist in Deutschland sehr selten, da die Arsenkonzentrationen im Leitungswasser in der Regel weit unter kritischen Akutschwellen liegen. Bei hohen Dosen, wie sie etwa bei industriellen Unfällen auftreten könnten, zeigt sich eine akute Vergiftung durch folgende Symptome:

  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Starke Bauchkrämpfe
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Im Extremfall: Kreislaufversagen und Tod

Chronische Arsenbelastung

Von weitaus größerer praktischer Bedeutung ist die chronische Belastung durch langfristigen Konsum von Wasser mit erhöhten Arsengehalten. Die Auswirkungen chronischer Arsenexposition auf die Gesundheit sind vielfältig und können sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten manifestieren:

Hautveränderungen

Typisches Frühzeichen einer chronischen Arsenbelastung sind Hautveränderungen, auch als Arsenose bezeichnet. Charakteristisch sind:

  • Hyperpigmentierung (dunkle Flecken auf der Haut, insbesondere an Rumpf und Gliedmaßen)
  • Hyperkeratose (Verhornungen an Handflächen und Fußsohlen)
  • Arsenmelanose (fleckige Pigmentierungsveränderungen)

Weitere Organsysteme

  • Herz-Kreislauf-System: Erhöhtes Risiko für Arteriosklerose, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Durchblutungsstörungen der peripheren Gefäße (Blackfoot-Krankheit in Asien)
  • Nervensystem: Periphere Neuropathie (Taubheit, Kribbeln, Muskelschwäche), kognitive Beeinträchtigungen
  • Lunge: Chronische Atemwegserkrankungen, eingeschränkte Lungenfunktion
  • Leber: Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Leberfibrose
  • Nieren: Tubulusschäden, eingeschränkte Nierenfunktion
  • Immunsystem: Schwächung der Immunabwehr
  • Reproduktionssystem: Erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Entwicklungsverzögerungen beim Kind

Risikogruppen bei Arsenbelastung

Bestimmte Personengruppen sind bei Arsenexposition besonders gefährdet: Schwangere und Stillende (Übertragung auf das ungeborene Kind bzw. Säugling möglich), Kleinkinder und Kinder (höhere Empfindlichkeit aufgrund des geringen Körpergewichts und der schnelleren Entwicklung), ältere Menschen (reduzierte Entgiftungskapazität), sowie Personen mit Erkrankungen von Leber, Niere oder Immunsystem. Raucher haben bei Arsenbelastung ein besonders stark erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Grenzwerte für Arsen im Wasser

Die Grenzwerte für Arsen im Trinkwasser wurden in den vergangenen Jahrzehnten auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse mehrfach verschärft. Heute gilt international ein Grenzwert von 10 µg/l, der auch in der Europäischen Union und Deutschland verbindlich ist. In Deutschland ist die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) die rechtliche Grundlage für Qualitätsanforderungen an Trinkwasser. Sie setzt die EU-Trinkwasserrichtlinie in nationales Recht um. Der zulässige Grenzwert für Arsen beträgt:

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Grenzwert von 10 µg/l kein Wert ist, unterhalb dessen keinerlei gesundheitliches Risiko besteht. Die WHO und IARC betonen ausdrücklich, dass Arsen kein sicheres Expositionsniveau hat, da es sich um ein Karzinogen handelt. Der Grenzwert stellt einen Kompromiss dar zwischen dem Schutzgedanken und den technischen Machbarkeiten sowie wirtschaftlichen Gesichtspunkten bei der Wasseraufbereitung.

Nachweis und Messung von Arsen im Wasser

Arsen im Wasser ist farb-, geruch- und geschmacklos und kann daher nicht sensorisch wahrgenommen werden. Ein zuverlässiger Nachweis ist nur durch analytische Verfahren möglich.

Für die genaue Quantifizierung von Arsen in Wasserproben stehen verschiedene anerkannte Laborverfahren zur Verfügung:

  • Atomabsorptionsspektrometrie (AAS): Weit verbreitetes Standardverfahren, besonders in Verbindung mit der Hydridtechnik oder der elektrothermischen Atomisierung (ETA-AAS)
  • Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-MS): Hochempfindliche Methode für sehr niedrige Konzentrationen im Spurenbereich
  • Optische Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-OES): Ebenfalls für Spurenanalysen geeignet
  • Schnelltests und Feldtestsets: Für erste Orientierungsmessungen vor Ort geeignet, jedoch weniger präzise als Labormethoden

Für eine aussagekräftige Wasseranalyse auf Arsen sind folgende Punkte zu beachten: Die Probenahme sollte nach angemessener Stagnationszeit oder nach ausreichendem Spülen erfolgen, je nachdem ob Stagnationswasser oder laufendes Wasser analysiert werden soll. Proben müssen in geeigneten Gefäßen aus Polyethylen oder Polypropylen transportiert und bis zur Analyse gekühlt gelagert werden. Für akkreditierte Ergebnisse sollten staatlich oder nach DIN EN ISO 17025 akkreditierte Labore beauftragt werden.

Wann sollte man sein Wasser testen lassen?

Eine Analyse auf Arsen ist empfehlenswert, wenn: Sie ein Privatbrunnen nutzen (Pflicht zur regelmäßigen Eigenüberwachung), Sie in einer Region mit bekannten erhöhten Arsengehalten wohnen, Ihr Haus älter ist und möglicherweise arsenhaltige Materialien verbaut wurden, Sie Schwangere, Kleinkinder oder kranke Personen im Haushalt haben, oder Sie allgemein Sicherheit über die Qualität Ihres Trinkwassers haben möchten.

Arsen im Wasser entfernen

Liegt der Arsengehalt im Trinkwasser über dem Grenzwert oder wünschen Sie eine weitergehende Reduzierung des Arsengehalts, stehen verschiedene Aufbereitungsverfahren zur Verfügung. Die Wahl der geeigneten Methode hängt vom Ausgangsarsengehalt, der Wasserchemie, dem Durchsatz (Haushalt oder Industrieanlage) und wirtschaftlichen Überlegungen ab.

  • Adsorption an Eisenhydroxid / Aktivtonerde: Das am weitesten verbreitete Verfahren zur Arsenabtrennung ist die Adsorption an speziellen Adsorptionsmaterialien. Granuliertes Eisenhydroxid (GEH) und Aktivtonerde (Aluminiumoxid) zeigen eine besonders hohe Selektivität für Arsenat (As(V)). Das Wasser wird durch ein Filterbett aus dem Adsorptionsmaterial geleitet, das Arsen bindet. Die Adsorptionskapazität dieser Materialien ist begrenzt – nach Erschöpfung muss das Material regeneriert oder ausgetauscht werden.
  • Oxidation und Filtration: Arsenat (As(V)) wird an Adsorptionsmaterialien deutlich effektiver gebunden als Arsenit (As(III)). Daher ist bei Vorkommen von Arsenit eine vorgeschaltete Oxidationsstufe notwendig. Als Oxidationsmittel kommen Chlor, Chlordioxid, Ozon, Kaliumpermanganat oder auch Sauerstoff (bei ausreichend langer Kontaktzeit) in Betracht. Nach der Oxidation kann das ausgefällte Arsenat durch Filtration entfernt werden.
  • Umkehrosmose: Die Umkehrosmose (RO) ist ein membranbasiertes Verfahren, bei dem Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran gepresst wird, die Arsen und andere gelöste Stoffe zurückhält. Moderne Umkehrosmoseanlagen erreichen Arsenrückhalteraten von über 95 %. Das Verfahren eignet sich sowohl für Haushaltsanlagen (Punkt-of-Use) als auch für größere Anlagen. Nachteilig sind der vergleichsweise hohe Energiebedarf und die Produktion von Konzentrat (Wasser mit erhöhter Arsenkonzentration), das entsorgt werden muss.
  • Ionenaustausch: Stark basische Anionenaustauscher können Arsenat aus dem Wasser entfernen. Das Verfahren ist besonders effektiv bei niedrigen Sulfatgehalten, da Sulfat mit Arsenat um die Austauschplätze konkurriert. Nach Erschöpfung des Harzes wird dieses mit Natriumchloridlösung regeneriert, was zur Entstehung arsenhaltiger Regenerierlösung führt, die fachgerecht entsorgt werden muss.
  • Koagulation / Flockung: Bei der Koagulation werden dem Wasser Eisensalze (z. B. Eisen(III)-chlorid) oder Aluminiumsalze zugegeben, die Arsenkomplexe bilden, ausflocken und anschließend durch Filtration entfernt werden. Dieses Verfahren eignet sich besonders für größere kommunale Wasserwerke und ist gut für Arsenwerte im mittleren bis höheren Bereich geeignet. Für Kleinstanlagen ist es aufgrund des höheren Aufwands weniger praxistauglich.

Rechtliche Grundlagen und Pflichten

Öffentliche Wasserversorgung: Wasserversorger in Deutschland sind durch die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) verpflichtet, regelmäßige Kontrollen der Trinkwasserqualität durchzuführen und den Grenzwert für Arsen von 10 µg/l einzuhalten. Überschreitungen müssen dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden, das geeignete Maßnahmen anordnet. Verbraucher haben Anspruch auf Information über die Qualität des Trinkwassers in ihrer Versorgungszone.

Private Brunnen und Eigenwasserversorgung: Wer Wasser aus einem privaten Brunnen oder einer sonstigen Eigenwasserversorgung trinkt, ist selbst für die Kontrolle der Wasserqualität verantwortlich. Eine regelmäßige Analyse – einschließlich der Prüfung auf Arsen – wird von den zuständigen Gesundheitsbehörden empfohlen und ist in manchen Bundesländern gesetzlich vorgeschrieben. Bei Überschreitung des Grenzwertes besteht keine Meldepflicht gegenüber Behörden, jedoch liegt das gesundheitliche Risiko beim Nutzer.

Betreiber privater Wasserversorgungsanlagen, die Wasser an Dritte abgeben (z. B. Vermieter, Gastronomen, Betreiber von Gemeinschaftseinrichtungen), unterliegen hingegen ebenfalls der Trinkwasserverordnung und müssen den Grenzwert einhalten und Kontrollen nachweisen.

Böckenholt Wasseraufbereitung – Ihr Experte für arsenfreies Wasser

Böckenholt Wasseraufbereitung bietet maßgeschneiderte Lösungen zur zuverlässigen Entfernung von Arsen aus Trinkwasser und Brauchwasser. Ob Haushalt, landwirtschaftlicher Betrieb oder industrielle Anlage: wir analysieren Ihre individuelle Situation und empfehlen das optimale Aufbereitungsverfahren.

Unsere Leistungen im Überblick:

  • Wasseranalyse auf Arsen und weitere Inhaltsstoffe
  • Beratung zu geeigneten Aufbereitungsverfahren
  • Planung, Lieferung und Installation von Filtersystemen
  • Regelmäßige Wartung und Kontrolle der Anlagen
  • Dokumentation und Nachweisführung für behördliche Anforderungen