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Koloniezahl

Letzte Aktualisierung: 15.01.2026

Was bedeutet Koloniezahl?

Die Koloniezahl beschreibt die Anzahl vermehrungsfähiger Mikroorganismen in einer Wasserprobe. Sie gibt an, wie viele Keime sich unter definierten Laborbedingungen auf einem Nährmedium zu sichtbaren Kolonien entwickeln. Jede dieser Kolonien entsteht in der Regel aus einem einzelnen Mikroorganismus oder einer Zellgruppe. Im Bereich der Trinkwasserhygiene ist die Koloniezahl im Trinkwasser ein zentraler mikrobiologischer Parameter. Sie dient als allgemeiner Hygieneindikator, gibt jedoch keinen direkten Hinweis auf das Vorhandensein bestimmter Krankheitserreger.

Bedeutung der Koloniezahl im Trinkwasser

Die Koloniezahl im Trinkwasser liefert wichtige Informationen über den hygienischen Zustand des Wassers sowie der gesamten Trinkwasserinstallation. Erhöhte Werte können auf Verunreinigungen, Biofilmbildung oder Stagnation im Leitungssystem hinweisen.

Dabei ist wichtig zu verstehen: Eine erhöhte Koloniezahl bedeutet nicht zwangsläufig eine unmittelbare Gesundheitsgefahr. Vielmehr zeigt sie, dass sich Mikroorganismen im System vermehren konnten und hygienische oder technische Schwachstellen vorliegen könnten.

Messung der Koloniezahl

Die Bestimmung der Koloniezahl erfolgt im Labor nach standardisierten Verfahren. Üblich sind zwei Referenztemperaturen:

  • 22 °C: Erfasst überwiegend Umweltkeime
  • 36 °C: Erfasst überwiegend körpernahe, mesophile Keime

Der Ablauf der Messung umfasst:

  1. Entnahme einer Wasserprobe unter sterilen Bedingungen
  2. Aufbringen der Probe auf ein Nährmedium
  3. Bebrütung über einen definierten Zeitraum
  4. Auszählung der gewachsenen Kolonien

Das Ergebnis wird in KBE pro Milliliter (KBE/ml) angegeben, wobei KBE für „Koloniebildende Einheiten“ steht.

Grenzwerte nach Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt für die Koloniezahl im Trinkwasser keine verbindlichen Grenzwerte im klassischen Sinne fest, sondern definiert sogenannte Richt- beziehungsweise Orientierungswerte. Diese dienen als Bewertungsmaßstab für den hygienischen Zustand des Trinkwassers und der zugehörigen Trinkwasserinstallation.

Unterschieden wird dabei zwischen zwei Referenztemperaturen, die unterschiedliche Keimgruppen erfassen:

  • Koloniezahl bei 22 °C:100 KBE/ml: Dieser Wert erfasst überwiegend Umweltkeime, die aus der natürlichen Umgebung stammen und sich bei niedrigeren Temperaturen vermehren können.
  • Koloniezahl bei 36 °C:20 KBE/ml: Dieser Wert erfasst vor allem mesophile, körpernahe Mikroorganismen, die sich bei Temperaturen vermehren, die dem menschlichen Körper ähneln.

Abweichungen von diesen Orientierungswerten gelten als hygienische Auffälligkeit und weisen darauf hin, dass sich Mikroorganismen im Trinkwassersystem vermehren konnten. Sie stellen nicht zwangsläufig eine akute Gesundheitsgefahr dar, machen jedoch eine systematische Ursachenanalyse erforderlich. Ziel ist es, mögliche Gründe wie Stagnation, Biofilmbildung, ungünstige Temperaturverhältnisse oder technische Mängel in der Installation zu identifizieren.

Auf Basis dieser Analyse können anschließend geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasserhygiene eingeleitet werden, etwa durch Spülungen, Anpassungen der Betriebstemperaturen, Wartungsarbeiten oder weiterführende mikrobiologische Untersuchungen. Die Orientierungswerte der Trinkwasserverordnung dienen somit als wichtiges Frühwarnsystem zur Sicherstellung einer dauerhaft einwandfreien Trinkwasserqualität.

Ursachen für erhöhte Koloniezahlen

Eine erhöhte Koloniezahl kann verschiedene Ursachen haben, insbesondere innerhalb von Gebäuden. Häufige Gründe sind:

  • Stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen
  • Biofilmbildung in Rohrleitungen
  • Unzureichende Warm- oder Kaltwassertemperaturen
  • Totleitungen oder schlecht geplante Installationen
  • Mangelhafte Wartung von Trinkwasseranlagen

Besonders betroffen sind komplexe Leitungssysteme, große Gebäude sowie Anlagen mit unregelmäßiger Nutzung.

Koloniezahl reduzieren – wirksame Maßnahmen

Die Koloniezahl reduzieren ist ein zentrales Ziel der Trinkwasserhygiene. Dabei kommen sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen zum Einsatz.

Technische Maßnahmen

  • Sicherstellung geeigneter Temperaturen
    • Warmwasser ≥ 60 °C
    • Kaltwasser ≤ 20 °C
  • Vermeidung von Totleitungen
  • Regelmäßige Nutzung aller Entnahmestellen
  • Optimierte hydraulische Auslegung

Hygienische und betriebliche Maßnahmen

  • Regelmäßige Spülungen
  • Fachgerechte Wartung der Installation
  • Thermische oder chemische Desinfektion bei Bedarf
  • Einsatz von Hygienefiltern an Entnahmestellen

Diese Maßnahmen tragen dazu bei, Biofilme zu reduzieren und das Wachstum von Mikroorganismen dauerhaft zu begrenzen.

Gesundheitsrelevanz der Koloniezahl

Die Koloniezahl selbst beschreibt keine konkreten Krankheitserreger. Dennoch ist sie gesundheitlich relevant, da sie Hinweise auf Bedingungen liefert, unter denen sich auch pathogene Keime vermehren könnten. Für empfindliche Personengruppen – etwa Säuglinge, ältere Menschen oder immungeschwächte Personen – ist eine niedrige Koloniezahl besonders wichtig, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

Unterschied zwischen Koloniezahl und Krankheitserregern

Ein häufiger Irrtum besteht darin, die Koloniezahl direkt mit dem Vorhandensein konkreter Krankheitserreger gleichzusetzen. Tatsächlich handelt es sich bei der Koloniezahl um einen sogenannten Summenparameter, der lediglich angibt, wie viele vermehrungsfähige Mikroorganismen insgesamt in einer Wasserprobe vorhanden sind. Dabei wird nicht unterschieden, um welche Arten von Bakterien es sich handelt.

Untersuchungen auf spezifische Krankheitserreger wie Escherichia coli, Enterokokken oder Legionellen verfolgen hingegen ein anderes Ziel. Sie dienen dem gezielten Nachweis von Keimen, die als Indikatoren für fäkale Verunreinigungen oder gesundheitliche Risiken gelten. Diese Erreger können bereits in sehr geringen Mengen problematisch sein, selbst wenn die allgemeine Koloniezahl niedrig ist.

Umgekehrt bedeutet eine erhöhte Koloniezahl nicht automatisch, dass gefährliche Krankheitserreger vorhanden sind. Häufig handelt es sich um harmlose Umweltkeime, die sich unter günstigen Bedingungen in der Trinkwasserinstallation vermehren konnten, beispielsweise durch Stagnation oder Biofilmbildung. Dennoch weist eine erhöhte Koloniezahl auf ungünstige hygienische Bedingungen hin, unter denen sich auch pathogene Mikroorganismen leichter ansiedeln könnten.

Eine niedrige Koloniezahl spricht insgesamt für einen guten hygienischen Zustand des Trinkwassers und der Installation. Sie kann jedoch keine gezielten mikrobiologischen Untersuchungen ersetzen, wenn ein konkreter Verdacht auf bestimmte Krankheitserreger besteht. In der Trinkwasserhygiene ist daher stets eine kombinierte Betrachtung aus Summenparametern und spezifischen Erregernachweisen erforderlich, um die Wasserqualität zuverlässig zu beurteilen.

Bedeutung der Koloniezahl für Haushalte und Betreiber

Für Betreiber von Trinkwasseranlagen stellt die regelmäßige Überwachung der Koloniezahl im Trinkwasser ein zentrales Instrument der Qualitätssicherung dar. Sie dient dazu, den hygienischen Zustand der Trinkwasserinstallation kontinuierlich zu bewerten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Auffällige Entwicklungen der Koloniezahl können Hinweise auf Stagnation, Biofilmbildung oder technische Mängel liefern, noch bevor es zu einer konkreten gesundheitlichen Gefährdung kommt.

Insbesondere in größeren Gebäuden, Mehrfamilienhäusern, öffentlichen Einrichtungen oder gewerblich genutzten Anlagen ist die Koloniezahl ein wichtiger Kontrollparameter zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Eine regelmäßige Überwachung unterstützt Betreiber dabei, ihrer Verantwortung für die Trinkwasserhygiene nachzukommen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Die Überwachung der Koloniezahl bietet für Betreiber insbesondere folgende Vorteile:

  • Frühzeitige Erkennung hygienischer Auffälligkeiten
  • Kontrolle des Erfolgs von Wartungs- und Sanierungsmaßnahmen
  • Unterstützung bei der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen
  • Dokumentation des hygienischen Zustands der Anlage
  • Reduzierung potenzieller Haftungsrisiken

Auch für private Haushalte besitzt die Koloniezahl eine zunehmende Bedeutung. Sie liefert wertvolle Hinweise auf den Zustand der hausinternen Wasserinstallation, insbesondere in älteren Gebäuden, bei langen Leitungswegen oder selten genutzten Entnahmestellen. Erhöhte Koloniezahlen können hier auf stehendes Wasser, ungünstige Temperaturen oder Ablagerungen in den Leitungen hinweisen.

Für private Haushalte kann die Bestimmung der Koloniezahl hilfreich sein, um:

  • Den hygienischen Zustand der eigenen Wasserinstallation einzuschätzen
  • Mögliche Probleme durch Stagnation oder Biofilmbildung zu erkennen
  • Sanierungs- oder Wartungsbedarf frühzeitig abzuleiten
  • Die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern

Insgesamt trägt die Überwachung der Koloniezahl sowohl bei Betreibern als auch in privaten Haushalten zu einer langfristig sicheren und hygienisch einwandfreien Trinkwasserversorgung bei.