Destilliertes Wasser
Was ist destilliertes Wasser?
Destilliertes Wasser ist Wasser, das durch den physikalischen Vorgang der Destillation nahezu vollständig von gelösten Stoffen befreit wurde. Dazu zählen Mineralien, Salze, Metalle, Mikroorganismen sowie organische Verbindungen. Ziel dieses Verfahrens ist es, ein möglichst reines Wasser mit minimaler Leitfähigkeit und definierter chemischer Zusammensetzung zu erhalten.
Im Gegensatz zu natürlichem Trinkwasser handelt es sich bei destilliertem Wasser nicht um ein „lebendiges“ oder mineralisches Wasser, sondern um ein technisch erzeugtes Reinstwasser, das für spezielle Anwendungen konzipiert ist. Seine Eigenschaften unterscheiden sich daher deutlich von Leitungs-, Quell- oder Mineralwasser.
Herstellung von destilliertem Wasser
Die Destillation ist eines der ältesten bekannten Trennverfahren und basiert auf unterschiedlichen Siedepunkten von Stoffen. Bei der Wasseraufbereitung läuft der Prozess typischerweise wie folgt ab:
- Erhitzen des Ausgangswassers bis zum Verdampfen
- Trennung von nicht flüchtigen Inhaltsstoffen (Salze, Mineralien, Schwermetalle)
- Abkühlung des Wasserdampfs
- Kondensation zu flüssigem Wasser
Da Keime, Salze und Metalle nicht verdampfen, bleiben sie im Rückstand zurück. In industriellen Anwendungen wird destilliertes Wasser häufig zusätzlich mehrfach destilliert oder mit anderen Verfahren kombiniert, um einen noch höheren Reinheitsgrad zu erzielen.
Chemische und physikalische Eigenschaften
Destilliertes Wasser weist eine Reihe besonderer Eigenschaften auf, die es von normalem Trinkwasser unterscheiden:
- Nahezu frei von gelösten Mineralstoffen
- Sehr geringe elektrische Leitfähigkeit
- Keine natürliche Pufferwirkung
- Hohe Reaktionsfreudigkeit
- Starkes Lösungsvermögen
Durch den fehlenden Mineralgehalt ist destilliertes Wasser chemisch instabil und versucht, Stoffe aus seiner Umgebung aufzunehmen. Dies erklärt, warum es Metalle, Kunststoffe oder Gase schneller angreifen kann als mineralhaltiges Wasser.
pH-Wert destilliertes Wasser
Der pH-Wert von destilliertem Wasser ist ein häufig diskutiertes Thema. Rein theoretisch liegt der pH-Wert bei 7,0 und ist damit neutral. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Sobald destilliertes Wasser mit Luft in Kontakt kommt, absorbiert es Kohlendioxid (CO₂). Dadurch entsteht Kohlensäure, was zu einer leichten Absenkung des pH-Werts führt. Realistische Messwerte liegen daher meist bei:
- pH 5,5 bis 6,5
Dieser leicht saure pH-Wert ist kein Qualitätsmangel, sondern eine Folge der hohen Reinheit des Wassers. Im Gegensatz zu Trinkwasser fehlen Mineralien, die den pH-Wert stabilisieren könnten.
Destilliertes Wasser trinken
Das Thema destilliertes Wasser trinken sorgt immer wieder für Unsicherheit. Grundsätzlich gilt: Destilliertes Wasser ist nicht toxisch und kann kurzfristig konsumiert werden. Für den regelmäßigen oder ausschließlichen Gebrauch als Trinkwasser ist es jedoch nicht geeignet.
Mögliche Gründe dagegen sind:
- Fehlende lebenswichtige Mineralstoffe
- Keine Versorgung mit Calcium, Magnesium oder Kalium
- Kann osmotisch Mineralien aus dem Körper binden
- Keine physiologische Pufferwirkung
Der menschliche Körper ist auf mineralhaltiges Wasser eingestellt. Eine dauerhafte Zufuhr von destilliertem Wasser kann langfristig zu einem Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt beitragen, insbesondere bei hoher Flüssigkeitszufuhr oder körperlicher Belastung.
Destilliertes Wasser in Ernährung und Mythen
In alternativen Gesundheitskonzepten wird destilliertes Wasser gelegentlich als „entgiftend“ beworben. Wissenschaftlich gibt es hierfür jedoch keine belastbaren Belege. Die Entgiftung des Körpers erfolgt primär über Leber, Nieren und Darm – nicht über besonders reines Wasser. Für eine gesunde Ernährung ist mineralstoffhaltiges Trinkwasser deutlich besser geeignet. Destilliertes Wasser erfüllt hier keine ernährungsphysiologische Funktion.
Typische Einsatzgebiete von destilliertem Wasser
Die Stärken von destilliertem Wasser liegen eindeutig im technischen Bereich. Häufige Einsatzgebiete sind:
- Labor- und Analyseverfahren
- Medizin- und Medizintechnik
- Batterien und Akkumulatoren
- Dampfbügeleisen und Dampfreiniger
- Luftbefeuchter und Klimaanlagen
- Heizungs- und Kühlkreisläufe
- Chemische und pharmazeutische Produktion
Überall dort, wo Mineralien unerwünscht sind oder Ablagerungen vermieden werden müssen, ist destilliertes Wasser die richtige Wahl.
Abgrenzung zu ähnlichen Wasserarten
Destilliertes Wasser wird oft mit anderen Wasserarten verwechselt:
- Trinkwasser: mineralhaltig, gesetzlich geregelt
- Osmosewasser: stark gereinigt, aber nicht vollständig mineralfrei
- Deionisiertes Wasser: salzfrei, jedoch nicht zwingend keimfrei
- Mineralwasser: natürlicher Mineralstoffgehalt
Destilliertes Wasser stellt dabei die reinste, aber auch technischste Wasserform dar.
Vorteile und Nachteile von destilliertem Wasser
Vorteile
- Extrem hoher Reinheitsgrad
- Keine Kalk- oder Salzablagerungen
- Ideal für technische Anwendungen
- Keine mikrobiologische Belastung
Nachteile
- Keine Mineralstoffe
- Nicht als Trinkwasser geeignet
- Chemisch aggressiv gegenüber Materialien
- Geringe geschmackliche Akzeptanz
Destilliertes Wasser ist ein Spezialprodukt mit klar definiertem Einsatzzweck. Während es für technische Anwendungen unverzichtbar ist, wird seine Rolle im Alltag häufig missverstanden. Für die menschliche Ernährung ist es kein Ersatz für Trinkwasser, sondern ein Funktionswasser mit klaren Grenzen.
