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Färbung vs. Trübung

Wasser kann sich optisch verändern, sowohl durch eine Färbung als auch durch eine Trübung. Wasserfärbungen entstehen meist durch gelöste Stoffe, während Trübungen häufig durch feinste Partikel oder Luftbläschen verursacht werden. Entscheidend ist die Ursache, denn nicht jede sichtbare Veränderung des Wassers bedeutet direkt ein Gesundheitsrisiko.

Wasseeglas mit frischem Trinkwasser

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Klares Wasser gilt häufig als Maßstab für gute Wasserqualität. Umso schneller fällt es auf, wenn ein Glas Leitungswasser plötzlich milchig wirkt, ein Bach bräunlich schimmert oder ein See einen grünlichen Ton zeigt. Hinter diesen optischen Veränderungen stecken unterschiedliche Ursachen. Während in einem Fall gelöste Stoffe das Wasser färben, sind es im anderen feinste Partikel, die es trüb erscheinen lassen. Solche Veränderungen begegnen uns nicht nur draußen in der Natur, auch im eigenen Haushalt kann Wasser anders aussehen als erwartet. Und genau dann stellt sich die Frage, was dahintersteckt und ob Handlungsbedarf besteht.

Was versteht man unter Wasserfärbung?

Unter Wasserfärbung versteht man die optische Wahrnehmung der Farbe von Wasser. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Licht und Wasserbestandteilen. Reines Wasser erscheint für das menschliche Auge zunächst transparent. Tatsächlich besitzt es jedoch einen sehr schwachen, natürlichen Blauton, der vor allem bei größeren Wassermengen sichtbar wird. Dieser Effekt entsteht, weil Wassermoleküle bestimmte Anteile des Lichts unterschiedlich absorbieren und streuen. Neben dieser natürlichen Eigenfarbe beeinflussen weitere Inhaltsstoffe die wahrgenommene Wasserfärbung. Dabei handelt es sich vor allem um gelöste oder sehr fein verteilte Stoffe, die das einfallende Licht selektiv aufnehmen oder streuen und so einen Farbstich erzeugen.

Häufige Erscheinungsformen sind eine …

  • blaue Wasserfärbung durch die natürliche Eigenfarbe des Wassers und Reflexion des Himmels
  • grüne Wasserfärbung durch feinste Mineralstoffe oder Algen und andere Mikroorganismen
  • gelbe bis braune Wasserfärbung durch verschiedene anorganische oder organische Stoffe wie z. B. Huminstoffe, die aus pflanzlichem Material stammen und sich im Wasser lösen
  • graue Wasserfärbung durch mineralische Bestandteile oder fein verteilte anorganische Stoffe 

Verfärbungen im Trinkwasser

Auch, wenn Trinkwasser grundsätzlich den Qualitätsanforderungen entspricht, kann es mal verfärbt sein. Eine Wasserverfärbung bedeutet aber nicht automatisch, dass das Wasser gesundheitsschädlich ist. Entscheidend ist die Ursache. 

Gelbliche bis bräunliche Verfärbungen treten bei Trinkwasser am häufigsten auf. In vielen Fällen sind Eisen oder Mangan dafür verantwortlich. Diese Metalle kommen natürlicherweise im Boden vor oder können aus Rohrleitungen stammen. Gelangen sie ins Wasser und reagieren mit Sauerstoff, bilden sich feinste Partikel, die die bräunliche Färbung verursachen. Das kann auf eine veränderte Wasserzusammensetzung oder auf Ablösungen in den Leitungen hindeuten. Besonders häufig zeigt sich eine solche Wasserfärbung nach Arbeiten am Leitungsnetz. Gesundheitlich ist das in der Regel unbedenklich, da Eisen und Mangan in den üblichen Konzentrationen keine Gefahr darstellen. Allerdings können sie zu Ablagerungen in Leitungen, Armaturen oder Haushaltsgeräten führen oder Textilien verfärben.

Eine grünliche Wasserfärbung ist im Leitungswasser selten. Hier sind Algen in der Regel nicht die Ursache, sondern meist geringe Mengen Kupfer, die sich aus Leitungen lösen können. Das Metall selbst ist zwar rötlich, doch im Wasser bilden sich Kupferverbindungen, die einen bläulich-grünen Schimmer verursachen können. Eine leichte grünliche Färbung durch Kupfer ist in der Regel nicht akut gesundheitsschädlich, sollte jedoch vorsorglich überprüft werden.

Andere deutliche Verfärbungen treten im regulären Trinkwassernetz in der Regel nicht auf, da das Wasser vor der Verteilung aufbereitet und regelmäßig kontrolliert wird. Unabhängig davon besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Wasser auch im privaten Bereich gezielt aufzubereiten, um die Wasserqualität zu verbessern und dauerhaft sicherzustellen.

Was versteht man unter Wassertrübung?

Erscheint Wasser milchig-weiß, handelt es sich nicht um eine Färbung, sondern um eine Trübung. Häufig wird diese Trübung im Wasser durch feinste Luftbläschen verursacht, die zum beispiel durch Druckveränderungen im Leitungssystem entstehen. Typisch für diese Art von Trübung ist, dass sie sich nach kurzer Zeit von selbst zurückbildet. Lässt man das Wasser ein paar Minuten stehen, steigen die Luftbläschen nach oben und das Wasser wird wieder klar. In solchen Fällen ist das Trinkwasser in der Regel unbedenklich. 

Bleibt das Wasser jedoch dauerhaft trüb oder bildet sich ein sichtbarer Bodensatz, sind meist feinste Partikel oder Schwebstoffe die Ursache. Eine Trübung im Wasser allein bedeutet jedoch nicht automatisch ein Gesundheitsrisiko. Sie kann aber ein Hinweis darauf sein, dass sich Partikel im Wasser befinden oder sich im Leitungssystem Veränderungen ergeben haben.

Grenzwerte: Wann besteht Handlungsbedarf?

Die deutsche Trinkwasserverordnung legt für die Trübung Grenzwerte fest. Diese werden als Indikatorparameter in NTU (Nephelometrische Trübungseinheiten) angegeben. Dabei gilt:

  • 0,1–0,3 NTU: sehr klares Wasser
  • bis 1,0 NTU: zulässig nach Trinkwasserverordnung
  • über 1,0 NTU: auffällig, Ursache muss untersucht werden

Darüber hinaus gelten weitere Indikatorparameter, unter anderem:

  • Eisen: 0,20 mg/l
  • Mangan: 0,05 mg/l
  • Färbung: spektraler Absorptionskoeffizient 0,5 m⁻¹
  • pH-Wert: 6,5–9,5

Wird ein Indikatorwert überschritten, besteht Prüf- und gegebenenfalls Handlungsbedarf. Eine Überschreitung bedeutet jedoch nicht automatisch eine akute Gesundheitsgefährdung, sondern weist auf mögliche Veränderungen im System hin. Die regelmäßige Überwachung erfolgt durch den Wasserversorger und die behördliche Kontrolle durch das zuständige Gesundheitsamt. Im privaten Bereich, etwa bei Eigenversorgungsanlagen, liegt die Verantwortung beim jeweiligen Betreiber.

Empfehlungen für Verbraucher

Sieht das Wasser plötzlich anders aus, lässt sich mit einfachen Maßnahmen zunächst selbst prüfen, ob es sich um eine vorübergehende Veränderung handelt oder weiterer Klärungsbedarf besteht.

Folgende Schritte können Sie selbst durchführen:

  • Wasser kurz ablaufen lassen, wenn es längere Zeit in der Leitung stand
  • Prüfen, ob sich eine milchige Trübung nach kurzer Zeit setzt oder vollständig verschwindet
  • Auf Veränderungen von Geruch oder Geschmack achten, z. B. metallisch, muffig oder ungewohnt bitter
  • Bei anhaltenden oder deutlich ausgeprägten Veränderungen den zuständigen Wasserversorger kontaktieren.

Ihr Ansprechpartner

Emily Böckenholt

Expertin für Wasseraufbereitung

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